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von Birgit Kraft
Nachdem ich mich im letzten November in die Insel Rügen verliebt hatte, wagte ich einen erneuten Besuch mit meinem Spiti. Selbstbewusst und ohne sein eigentlich doch zu jugendliches Alter zu verleugnen, meldete ich mich zum ersten Mal bei den Rügenclassics an. Ich hatte schon so viel begeisterte Berichte einiger meiner Club-Kameraden gehört und so wollte ich endlich auch mal dabei sein.
Meine Lieblings-Rallye-Beifahrerin
Jennifer konnte leider nicht mitkommen, da sie z.Zt. in China
weilt. (Ja, die Töchter machen heutzutage die weiteren Touren!)
Also fuhr ich mit meiner Kollegin Ute, die auch ein Faible für
Oldtimer aber keinerlei Rallye- Erfahrungen hatte.
Die Anreise erfolgte gut gelaunt bei strahlendem Sonnenschein,
aber mit klopfendem Herzen ob das Auto wohl pannenfrei durchhält
und Ute ihre starke Erkältung in den Griff bekommt.
Es sollte sich herausstellen, dass Auto, Beifahrerin und Wetter
in tadellosem Zustand blieben. Dafür noch mal ein herzliches
Dankeschön an Spiti, Ute und Petrus!
Der Start zur ersten Wertungsfahrt erfolgte in Binz. Dort beschnupperten sich alle Teilnehmer vorsichtig und eher zurückhaltend, aber stolz dabei zu sein. Die Kurpromenade, wo die Aufstellung der Fahrzeuge stattfand, war ein angemessener Rahmen für die ca. 70 Fahrzeuge, die von einer Vielzahl Touristen und sicher auch einiger Rüganer interessiert bestaunt wurden.
Die Spitis waren mit 4 Teams, alle vom heimatlichen Berliner Spitfire-Club doch recht gut vertreten. Neben den richtig alten Autos, z.B. Ford "T" Tin Lizzy Bj 1912, Ford A Coupe Bj 1931 oder DKW Monoposto Bj 1932,wirkten sie zwar etwas sehr modern, aber da waren noch andere Youngtimer, an deren Anblick man sich bei so einer Veranstaltung auch erst mal gewöhnen muss. Ich denke da an den Opel Rekord Bj 1973, den MB 350 SLC Bj 1973, oder den Volvo 284/TE Bj 1975 .
Mein Spiti durfte nun zum ersten mal in seinem Leben von einer Rampe starten, was mich sehr stolz machte. Dann hieß es den vorgegebenen Weg zu finden und viele mächtig schwierige Fragen zu beantworten. Am Abend trafen wir uns beim BBQ und es stellte sich heraus, dass wir das einzige Damenteam waren. Von der Rallye- Leitung wurden wir bei den Starts von nun an nur noch als "Dream-Team" vorgestellt. (Man musste ja auch etwas vom fehlenden Alter des Autos ablenken!)
Am zweiten Tag starteten wir von
der Strandpromenade in Saßnitz, wieder unter Anteilnahme
vieler Besucher. In die Rallye- Strecke war nun auch eine Zeitprüfung
eingebaut, die uns unerfahrenen Mädels eine Menge Magenschmerzen
bescherte, die wir dann aber doch gut bewältigten. Danach
war allerdings relaxen in einem netten Restaurantgarten angesagt.
Leider war die Bedienung neu und nicht fähig unsere Eisbestellung
entgegen zu nehmen, so dass wir eine Menge Kalorien sparen konnten.
Überhaupt war dies das reinste Diät-Wochenende! Vor
lauter Aufregung hatten wir kaum Appetit!
Am Abend gab´s ein schönes Lagerfeuer im Kunsthof Dargast, wo so manch einer zu tief ins Glas schaute und ich lernte, dass die richtig alten Autos keine Zündschlüssel haben, die man den alkoholisierten Piloten abnehmen könnte, sondern dass man ein anderes Auto vor den Monoposto stellt , damit der Volker aus Leipzig im Heu nächtigen muss! Er fuhr dann mit seiner "Zigarre" doch noch um 4 Uhr morgens ins Quartier zurück, "war aber bitterkalt!" (Zitat)
Am nächsten Tag (wir waren
gut ausgeschlafen!!) stand noch mal eine Zeitwertung ins Haus.
Wir waren ein bischen sehr vorsichtig und gaben uns 85 min für
37,4 km vor. Man weiß ja nie!
Kommentar des Starters: Kann man schaffen! (grölen wir heute
noch drüber!) Ja- und im Ziel waren wir dann doch 27 sec
zu langsam! Aber immerhin, obwohl viele auf die Sekunde genau
ankamen, gab es auch genug Trödler die mehrere Minuten falsch
lagen.
Danach war dann Kultur angesagt: Wir durften Proben der Störtebeker-Festspiele
beiwohnen. Ein echtes Highlight dieser Tage! Werde mit Sicherheit
zu einer der Aufführungen wiederkommen!
Am Abend dann die Abschlussveranstaltung
beim Jagdschloss Granitz. Leider wurden nur die ersten 9 Sieger
geehrt und beschenkt, denn Ute und ich glaubten unseren Au-gen
nicht zu trauen: Wir haben Platz 10 belegt !!! Ein super Erfolg!
(Dank an meine Telefonjoker!!)
Die anderen Spitis liegen auf Platz 3 (Manfred Röpke), Platz
14 und Platz haste nich gesehen. Alle aber schon öfters Teilnehmer
dieser Rallye! Alles in allem eine gute Platzierung für die
Berliner Spitfire.
Im nächsten Jahr hoffe ich
auch noch andere Spitis dort zu treffen; auch wenn der Weg sehr
weit ist, es lohnt sich wirklich die Insel kennenzulernen. Der
Frühling bietet sich dazu regelrecht an und die Straßen
(ausschließlich neuer glatter Belag!) sind wie gemacht für
unsere Autos: Kurvenreich, viele tunnelartige Alleen, hügelig
und ständig wechselnde Landschaften.
Und wenn es ein Motorrad Bj 1942 aus Österreich schafft,
dann wird es doch den Spitis nicht zu weit sein?
Unsere Rückreise erforderte
dann viel Geduld, denn es ist nicht einfach an einem Sonntag von
der Insel zu kommen! Wir nahmen den besseren Weg über die
Fähre, da brauchten wir nur 2 Stunden und 30 Minuten (wohlgemerkt:
ab Stauanfang bis Festland!) Derweil hörten wir im Radio
die Meldung : "Rügendamm 20km Stau".
Wir nahmen es gelassen, da uns bewusst war, später noch mehrmals
im Stau zu stehen (Umgebung Berlins bietet sich da auch an!),und
wir hatten ja eine Menge zu erzählen und zu lachen.
Also, als Tip für´s nächste Jahr: Montag zurückreisen,
am besten noch einen Abstecher nach Berlin machen und bei unserem
Club-Treffen vorbeischauen!
Zu guter Letzt muß ich natürlich noch anmerken, dass
mein so heiß geliebtes Vierrad mich nicht geärgert
oder im Stich gelassen hat! Obwohl ich mal wieder viele Angst-Schweiß-Perlen
gelassen habe, war er doch sehr zuverlässig! Ok,-- die Hinterachse
rattert (das Diff wird beobachtet), das Motorengeräusch auch,
aber er hatte meines Erachtens auf den Landstraßen auch
viel Spaß, was sich durch ein genüßliches Schnurren
bemerkbar machte. Ich bin sowieso der Meinung dass dieses Auto
nicht nur eine Seele sondern auch ganz verschiedene Stimmungen
hat.
Schön, dass wir ihn in guter Stimmung halten konnten, aber ist das eine Frage bei zwei so netten, attraktiven, schlauen, charmanten, erfolgreichen, sich in den besten Jahren befindlichen, humorvollen und geistreichen Mädels (siehe unten) ??!
Also seid immer schön lieb
zu euren Spitis und lest ihnen jeden Wunsch von den Scheinwerfern
ab,
dann klappts auch mit dem Öldruck.
Birgit -767-
P.S.: Vielleicht schreib ich mal einen Bericht über die erstaunlich große Gepäckaufnahmefähigkeit eines Spitfires (Gepäck für zwei Frauen für fünf Tage plus Proviant! Ihr könnt euch nicht vorstellen was das für ein Volumen ausmacht, oder vielleicht doch?!)
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